Die Äsche – Fisch des Jahres 2021

Doch in den Tiroler Hauptflüssen ist sie vom Aussterben bedroht!

Wer die Äsche beschreibt, kommt leicht ins Schwärmen: ihr Beiname „Graue Eminenz“ – wohl in Anspielung auf ihre aschgraue Grundfarbe und ihre herausragende Eleganz – ist Ausdruck dieser Bewunderung. Trotz intensiver Bemühungen der einheimischen Fischer*innen um den Erhalt der Art wird es für die Äsche immer schwieriger zu überleben. Nahezu überall sind die Bestände stark angeschlagen. Gründe dafür sind unter anderem der Schwallbetrieb der Wasserkraftwerke und der zunehmende Fressdruck der ungebremst wachsenden Population von Kormoranen und Fischottern. Die Fischerei kämpft seit Jahren mit groß angelegten Artenschutzprogrammen für den Erhalt der Äsche und fordert wirksame Maßnahmen, um den Lebensraum der einzigartigen Tiroler Hauptfischart zu schützen.

Die Situation in Tirol
Die Äsche sollte eigentlich die Hauptfischart in unseren größeren Flüssen wie den Inn, den Lech, die Großache oder die Drau sein. Leider ist es hier zu massiven Bestandseinbrüchen gekommen. Bei einem Drittel der tirolweit durchgeführten Fischbestandserhebungen von Bund und Land konnte überhaupt keine Äsche mehr nachgewiesen werden. Nur mehr bei sieben Prozent wies die Äsche eine sehr gute Altersstruktur auf. 
In Osttirol mussten erst kürzlich die Fischer*innen am Michlbach, einen ehemals bedeutsamen Äschenlaichplatz, einen Rückgang der erwachsenen Tiere um rund 90 Prozent feststellen. „Besonders erschreckend ist das Tempo der Verschlechterung. Der drastische Einbruch der Äschen hat sich  insbesondere in Osttirol innerhalb weniger Jahre ereignet“, sagt Zacharias Schähle, der Geschäftsstellenleiter des Tiroler Fischereiverbands.
Bereits 2015 hat ein Forscherteam im Zuge eines EU-Interreg-Projekts „Alpäsch“ auf die prekäre Situation der Äschenbestände in Tirol hingewiesen und eindringlich davor gewarnt, dass die Bestände kurz vor dem Zusammenbruch stehen.

Ursachen für das Äschensterben
Als Ursachen werden vor allem Defizite in der Lebensraumqualität sowie die Fragmentierung dieses Lebensraumes angesehen. Entscheidend ist aber auch der Fressdruck von fischfressenden Tieren – wie z. B. Kormoran und Fischotter. Dazu kommt die Erwärmung der Gewässer als Folge des Klimawandels.
Für die Larven- und Jungfischstadien wirkt sich insbesondere der Schwallbetrieb von Wasserkraftwerken verheerend aus, wie neueste wissenschaftliche Untersuchungen gezeigt haben. Durch die enormen und künstlichen Schwankungen des Wasserstands in den Flüssen kommt es zu Massenstrandungen von Fischlarven, die dann qualvoll am Gewässerrand verenden. Derartige Ereignisse spielen sich leider jedes Jahr zum Beispiel am Tiroler Inn, am Ziller oder der Drau ab.

Einsatz der Fischerei
Die Fischerei hat sich selbst strenge Schutzbestimmungen auferlegt. So gelten in Tirol umfangreiche Schonbestimmungen für die Äsche. In den meisten Revieren ist die Äsche überhaupt ganzjährig geschont und wird von den Fischerinnen und Fischern nicht entnommen.
Zusätzlich führt der Tiroler Fischereiverband gemeinsam mit den Fischerinnen und Fischern seit vielen Jahren ein Artenschutzprojekt durch, in dem Jungäschen mit großem Aufwand und in vielen ehrenamtlichen Stunden nachgezüchtet und in geeignete Tiroler Gewässer ausgewildert werden. Diese Bemühungen werden vom Land Tirol, dem Landesenergieversorger und den Innsbrucker Kommunalbetrieben finanziell unterstützt. „Durch diese Bemühungen konnten wir den Verlust an Äschen bremsen. Für eine Trendumkehr benötigt es aber ein umfassendes und ambitioniertes Maßnahmenpaket,“ hält Zacharias Schähle fest. „Von diesen Schutzbemühungen würde nicht nur die Äsche profitieren, sondern auch viele andere Flussbewohner“.

Notwendige Maßnahmen
Das sind die konkreten Forderungen des Tiroler Fischereiverbandes:

  • Die noch wenigen intakten Laichplätze und Jungfischhabitate der Äsche müssen konsequent vor Verschmutzungen, naturfernen Verbauungen und Fischfressern geschützt werden.
  • Die Schwall-Sunk-Ereignisse der Wasserkraftwerke in Tirol sind umgehend zu reduzieren bzw. abzuschwächen. Das Stranden und Sterben der Larven muss gestoppt werden.
  • Ehemalige Laichplätze müssen wieder durch Renaturierungen und fischpassierbare Anbindungen kleinerer Nebenflüsse reaktiviert werden.
  • Kein Wasserkraftwerksbau in Flüssen mit Restbeständen von Äschen, da diesen Beständen eine wichtige „Erhalterrolle“ zukommt.

 

Die majestätische Äsche mit ihrer prachtvollen Rückenflosse.
Zwei Äschen haben sich für die Paarung gefunden bzw. sind beim Laichen.