Millionen getötete Jungfische durch Wasserkraft







Tiroler Fischereiverband und WWF fordern Ende der Schwall-Belastung. Der Schwall-Sunk-Betrieb von Wasserkraftwerken verursacht Massensterben von Jungfischen, deshalb die Forderung eines Rettungspaketes mit verpflichtender Sanierung und Schonzeit für Jungfische.

Wien/Innsbruck, 29. Juni 2021 – Die Umweltschutzorganisation WWF Österreich und der Tiroler Fischereiverband warnen vor den katastrophalen Folgen des Schwall-Sunk-Betriebs von Wasserkraftwerken. Dadurch steigt und sinkt der Wasserspiegel in den Flüssen oft mehrmals täglich sehr schnell und drastisch – teils um bis zu 1,5 Meter. Auf Basis von Untersuchungen an der Drau schätzt der WWF, dass in Österreich jedes Jahr bis zu 200 Millionen Jungfische und Fischlarven der Schwall-Sunk-Belastung zum Opfer fallen. Sie fehlen damit im ökologischen Kreislauf nicht nur als Nachwuchs, sondern auch als Nahrungsbasis für größere Fische und andere Tiere. Dadurch werden die Flussökosysteme massiv destabilisiert. Daher fordern der Tiroler Fischereiverband und der WWF ein Rettungspaket, das verpflichtende Sanierungen und eine eigene Schonzeit für Jungfische vorsieht. „Sowohl die Wasserkraftbranche als auch die Politik haben die europarechtlich geforderten Sanierungsmaßnahmen bisher verschleppt. Damit nehmen sie großes Tierleid und massive Umweltschäden in Kauf. Das muss sich dringend ändern“, sagt WWF-Gewässerschutz-Expertin Bettina Urbanek.

Schonzeit für Jungfische als Sofortmaßnahme
Österreichweit sind 725 Kilometer an Flussstrecken so stark durch Schwall und Sunk belastet, dass sie laut EU-rechtlichen Vorgaben saniert werden müssen. Obwohl diese Vorgabe seit über 20 Jahren bekannt ist, hat Österreich die notwendigen Maßnahmen verabsäumt. Deshalb fordern der WWF und der Tiroler Fischereiverband als Sofortmaßnahme die Einführung eines „Jungfischfensters“ – einer neunwöchigen Schonzeit im Mai und Juni, in der die Schwallbelastung gestoppt oder zumindest stark verringert werden muss.

„Fische sind gute Gradmesser für den Zustand von Fluss-Ökosystemen. In Tirol hat der Fischbestand über die Jahrzehnte drastisch abgenommen und wenn wir weiterhin zulassen, dass der Schwall ungezügelt unsere Flüsse heimsucht, dann haben wir in naher Zukunft keine Äschen, Koppen oder Huchen mehr“, warnt Zacharias Schähle, Leiter des Tiroler Fischereiverbandes. „Schon jetzt beträgt der Fischmenge im Inn über weite Abschnitte nur 20 Prozent des eigentlichen Sollzustandes. Im unteren Abschnitt des Zillers sind es gar nur zwei Prozent.“ Dafür gibt es zwar mehrere Ursachen, der Schwall-Sunk-Betrieb spielt aber eine entscheidende Rolle. „Politik und Wasserkraft müssen deshalb dringend handeln und den Schwall sanieren.“

Die Koppe hat den strengsten Schutzstatus unter den Fischen, trotzdem wird ihr Stranden und das qualvolle Ersticken seit über 20 Jahren akzeptiert.

 

„Österreich muss seine europarechtlichen Verpflichtungen erfüllen und das millionenfache Tierleid beenden. Daher muss das zuständige Landwirtschaftsministerium die notwendigen Schutz- und Sanierungsmaßnahmen verbindlich vorschreiben“, fordert WWF-Expertin Bettina Urbanek mit Blick auf den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP 2021), der gerade überarbeitet wird. Nur noch 14 Prozent der heimischen Flüsse sind in einem sehr guten ökologischen Zustand und rund 60 Prozent müssen saniert werden, weil sie nicht in ökologisch gutem Zustand sind. Die in Österreich besonders intensive Nutzung der Flüsse durch die Wasserkraft ist einer der Hauptfaktoren dafür.









Wasserkraftwerke im Schwall-Sunk-Betrieb starten bei hohem Bedarf und hohen Preisen die Stromproduktion und lassen mehrmals täglich große Mengen Wasser aus den Stauseen bzw. Speichern ab. Das schnelle drastische Steigen und Sinken des Wasserspiegels wirkt sich katastrophal auf die Wasserlebewesen aus und zeigt sich besonders deutlich anhand des tödlichen „Strandens“ bei Jungfischen und Fischlarven: bei hohem Wasserstand weichen Jungfische in flache Uferbereiche aus, um der schnellen Strömung zu entgehen. Nach erneutem Absinken des Wassers bleiben sie in seichten Bereichen und Gumpen gefangen, in denen tausende von ihnen verenden. Filmmaterial aus dem Dokumentationsfilm „Was Fische wollen“ zeigen das erstmals in schockierender Deutlichkeit.

 

Filmmaterial aus „Was Fische wollen“ von Christoph Walder: www.ecotone.at/wasfischewollen