Klimakrise setzt Gewässer im Alpenraum unter Druck

Fischereiverbände der Alpenländer (ARGEFA) fordern verstärkte Renaturierung von Bächen und Flüssen!


Innsbruck, 14. September 2026 – Anlässlich der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer (ARGEFA), die am 11. und 12. September 2026 in Innsbruck stattfand, richten die Mitgliedsverbände einen gemeinsamen Appell an Politik, Verwaltung und Gesellschaft: Die Auswirkungen der Klimakrise auf Bäche, Flüsse und Seen im Alpenraum nehmen spürbar zu und erfordern verstärkte Anstrengungen bei der Renaturierung und ökologischen Aufwertung unserer Gewässer.


„Die Klimakrise zeigt sich in unseren Gewässern bereits heute deutlich. Deshalb müssen wir jetzt konsequent handeln und den Gewässern wieder mehr Raum geben. Renaturierungen sind kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Natur, unserer Wasserressourcen und unserer Gesellschaft.“, erklärt der ARGEFA-Präsident Dr. Sebastian Hanfland.

Steigende Wassertemperaturen, längere Niedrigwasserperioden, häufigere Extremwetterereignisse sowie veränderte Abflussregime belasten die aquatischen Ökosysteme zunehmend. Besonders betroffen sind kaltwasserliebende Fischarten und zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten, die auf intakte Gewässerlebensräume angewiesen sind. Gleichzeitig geraten auch wichtige Ökosystemleistungen wie Hochwasserschutz, Grundwasserneubildung und natürliche Kühlung von Landschaftsräumen unter Druck.

„Wir sind überzeugt, dass naturnahe und ökologisch funktionsfähige Gewässer eine zentrale Voraussetzung für die Anpassung an den Klimawandel darstellen“, bekräftigt Mag. Gert Gradnitzer, Vizepräsident der ARGEFA und Präsident des Österreichischen Fischereiverbands. „Renaturierte Flüsse und Bäche sind widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen, bieten bessere Lebensbedingungen für die heimische Biodiversität und stärken die natürliche Anpassungsfähigkeit der Landschaft.“

Die ARGEFA-Mitgliedsverbände fordern daher:

  • den Erhalt bestehender, natürlicher Fließgewässer und die Ausweisung von Ausschlussgebieten für weitere Wasserkraftwerke in sensiblen Gebieten,
  • eine deutliche Beschleunigung von Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern,
  • die Wiederherstellung natürlicher Gewässerstrukturen und Auen,
  • die Verbesserung der ökologischen Durchgängigkeit von Flüssen und Bächen,
  • die Forcierung der natürlichen Beschattung durch Ufervegetation durch Bepflanzung,
  • die Sicherung ausreichender Wassermengen in den Gewässern auch in Trockenzeiten, durch die Wiederherstellung natürlicher Wasserspeicher, insbesondere intakter Böden,
  • die stärkere Berücksichtigung der Klimavorsorge in wasserwirtschaftlichen Planungen,
  • die Priorisierung der Wasserspeicherung für Lebensraum und Organismus gegenüber wirtschaftlichen Belangen (z.B. bei Beschneiungsteichen und Wasserkraft)
  • ausreichende finanzielle Mittel für die Umsetzung und langfristige Betreuung von Renaturierungsprojekten.

Naturnahe Gewässer sind ein wichtiger Baustein eines zukunftsfähigen Alpenraums. Sie verbinden Klima-, Natur- und Hochwasserschutz und leisten gleichzeitig einen bedeutenden Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt.

Tirol: Wenn das Wasser knapper wird, wiegt jede Ausleitung schwerer

Der heurige Sommer hat vor Augen geführt, dass Wasser auch in Tirol knapp werden kann. Niedrige Pegel, warme Bäche, austrocknende Gewässerstrecken – das Bild vom Wasserschloss Tirol beginnt zu bröckeln. Diskutiert wird die Trockenheit vor allem mit Blick auf Trinkwasser, Almen und Landwirtschaft. Ein Bereich fehlt in dieser Debatte aber fast vollständig: die Wasserentnahme für die Kleinwasserkraft an unseren Bächen.

Dabei entscheidet sich gerade dort, ob unsere Gewässer die Klimakrise überstehen. Wird das Wasser knapper, wiegt jede Ausleitung schwerer. In Restwasserstrecken bleibt in Hitzeperioden vielerorts nur mehr ein Rinnsal – und wenig Wasser erwärmt sich schnell. Für Bachforelle und Koppe, die kaltes, sauerstoffreiches Wasser brauchen, wird das im Sommer lebensbedrohlich.

Hinzu kommt ein energiepolitischer Punkt, der zu selten ausgesprochen wird: Kraftwerke an kleinen Bächen liefern Strom vor allem dann, wenn ohnehin genug vorhanden ist. Im Winter und in Trockenphasen, wenn Strom knapp ist, liefern sie aber am wenigsten. Von Tirols nahezu 1.000 Wasserkraftwerken sind über 700 solche Kleinstanlagen; zusammen erzeugen sie weniger als vier Prozent des Wasserkraftstroms. Der Eingriff ist maximal, der Nutzen minimal – der ökologische Schaden dauerhaft.

Der Tiroler Fischereiverband fordert daher Tabuzonen für die letzten intakten Gewässer, klimafit bemessene und konsequent kontrollierte Restwassermengen sowie eine Förderpolitik, die auf moderne Speicherlösungen im geschlossenen Kreislauf setzt, statt weiter Bäche auszuleiten.

„Wer über Wasserknappheit spricht, muss auch über die Ausleitungen an unseren Bächen sprechen. Alles andere ist eine halbe Debatte“, betont MMag. Andreas Schiechtl, Landesobmann des Tiroler Fischereiverbandes. „Wasserschätze entstehen nicht in Jahren, sondern in Jahrtausenden – zerstören lassen sie sich in einer einzigen Bauphase. Was wir heute für wenige Promille Strom hergeben, können unsere Kinder und Enkelkinder nicht zurückholen.“

Fotonachweise

Foto 1: Tirols Wasserschätze geraten durch Klimawandel und Wasserentnahmen zusehends unter Druck. Foto: TFV

Foto 2: Ausleitung zu 100 Prozent – unterhalb der Wehranlage bleibt kein Wasser im Bach. Für den Tiroler Fischereiverband völlig unverständlich und ein Umweltfrevel – insbesondere dann, wenn im Sommer ohnehin wenig Wasser für Tiere und Pflanzen vorhanden ist. Foto: TFV

Foto 3: Die Vertreter der Fischereiorganisationen der Alpenländer (ARGEFA) haben sich heuer in Innsbruck (Alpenzoo) zum Erfahrungsaustausch getroffen. Der Klimawandel und die Trockenheit bedrohen Bäche und Flüsse des Alpenraums in einem Ausmaß, das bis vor Kurzem noch unvorstellbar war. Foto: ARGEFA

Über die ARGEFA

Die Fischereiorganisationen der Alpenländer arbeiten seit 1985 als „Arbeitsgemeinschaft der Fischereiverbände der Alpenländer“ (ARGEFA) eng zusammen. Zentrales Anliegen ist die Erhaltung und grenzüberschreitende Förderung der Fischerei und der Schutz der Gewässer im Alpenraum.

Vorrangige Ziele sind die Verhinderung weiterer gewässerschädlicher Ausbaumaßnahmen, die Wiederherstellung der Durchwanderbarkeit der Gewässer und ihre Vernetzung sowie der Erhalt bzw. die Wiederherstellung eines gesunden, artenreichen Fischbestandes.

In der ARGEFA sind der Landesfischereiverband Baden-Württemberg, der Landesfischereiverband Bayern, der Fischereiverband Liechtenstein, der Österreichische Fischereiverband, der Tiroler Fischereiverband, der Schweizerische Fischerei-Verband, der Fischereiverband Südtirol und die Slovenian-Fishing-Association vertreten. Gemeinsam vertreten sie die Interessen von über 500.000 Anglern.