Das Barotrauma: Wenn der Fisch zu platzen droht

Beangeln von Fischarten

Angelmethode und Angelgerätetechnik erlauben es uns Petrijüngern, immer versierter und damit erfolgreicher den Fischen nachzustellen. Der Fangerfolg steigt und gleichzeitig sinkt damit das Bedürfnis, jeden gefangenen Fisch, der entnommen werden könnte, auch seinem Element zu entnehmen, unabhängig von Brittelmaß und Schonzeit. Darüber hinaus kann es geboten sein große Fische, die populationsbiologisch sehr bedeutsam sein können (Stichwort Entnahmefenster), wieder schonend zurückzusetzen.

Allerdings kann sich bei manchen Angelmethoden herausstellen, dass das Prinzip „Catch and Release“, also das Fangen und Zurücksetzen des gefangenen Fisches, unweigerlich zu dessen Tod führt. Eine solche Methode ist das Beangeln von Fischarten, die in großen Tiefen leben. Dazu gehört beispielsweise der Zander, der mitunter in größeren Tiefen gefangen wird. Denn selbst bei größtmöglicher Schonung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es beim Hochbringen des Fisches an die Wasseroberfläche zum sogenannten Barotrauma kommt. Die Anglerin bzw. der Angler erkennt dies beispielsweise an den beidseitigen Glotzaugen oder im Extremfall an der aus dem Fischmaul oder der Kiemenspalte ragenden Schwimmblase (Abbildung 1). Geringere Symptome wie Blutungen ohne offensichtliche äußere Verletzungen oder innere Organschädigungen werden vom Angler hingegen kaum erkannt. In der Meinung, dem Fisch etwas Gutes zu tun, indem man ihn wieder freilässt, wird der Fisch dann einem Schicksal überlassen, das höchstwahrscheinlich zum Tod führt.

Was bedeutet der Begriff Barotrauma?

Barotrauma, im Anglerdeutsch auch Trommelsucht genannt, entsteht an jenen Fischorganen, die infolge der plötzlich veränderten Wasserdruckverhältnisse quellen, vor- oder ausstülpen. Im Tier kommt es durch den plötzlichen Druckabfall auf und in seinem Körper zu dehnungsbedingten Verletzungen bzw. einer Gewebeschädigung.

Dieses Zusammenwirken von Wasserdruck und Gasvolumen möchte ich mit folgendem einprägsamen Bild erklären: Wenn ein Luftballon mit einem Liter Luft von der Wasseroberfläche in 10m Tiefe gezogen wird, so schrumpft sein Volumen auf das eines größeren Apfels. Lässt man ihn aus der Tiefe wieder hochsteigen, dehnen sich Luft und Ballonhaut beinahe explosionsartig wieder auf die vorherige Größe aus. So ähnlich ergeht es dem Fisch und manchen seiner Organe. Es sollte uns allen klar sein, dass es im Drill zu keinem die Überlebenschance erhöhenden Gasdruckabbau kommen kann. Es ist nutzlos, den gefangenen Fisch langsamer einzuholen, denn es hat sich bei entsprechenden Versuchen gezeigt, dass ein Verlangsamen der Einholgeschwindigkeit und ein verzögertes Heraufziehen an die Oberfläche den meisten Fischen keine höhere Überlebenschance bietet. Untersuchungen an Fischen, die aus tieferen Wasserschichten geangelt wurden, haben außerdem gezeigt, dass die kritische Wassertiefe, ab der ein Barotrauma tödlich ist, bei acht Metern liegt.

Physoklisten besonders anfällig für Barotrauma

Physoklisten sind Fische mit einer geschlossenen Schwimmblase, darunter fallen z. B. Zander und Barsche. Die Schwimmblase ist bei den Physoklisten nicht mehr über einen Gang mit dem Darm verbunden. Sie können daher keine Luft direkt schlucken oder abgeben, sondern regulieren den Gasgehalt der Schwimmblase über das engmaschiges Blutgefäßnetz. Da den Physoklisten eben der Gang zum Darm hin fehlt, können sie Druckunterschiede deutlich langsamer ausgleichen, als das z. B. Salmoniden und Hechte können. Letztere gehören zu Physostomen. Physostomen haben eine Schwimmblase, die über einen Luftgang mit dem Darm verbunden ist. Daher können sie Druckunterschiede besser ausgleichen.

Angeltiefe im Auge behalten

Es ist daher ratsam, dass insbesondere beim Fischen auf Barsch und Zander die Angelschnur inklusive Vorfach diese kritische Wassertiefe von 8 Metern nicht überschreitet. Durch diese Maßnahme sollen gegebenenfalls auch solche Fischarten, die gerade Schonzeit haben, oder Fische, die das Brittelmaß nicht erreicht haben, nicht gefährdet werden. Jedenfalls sollte einer Befischung in dieser Tiefe die Absicht zugrunde liegen, die gefangenen Fische auch einer Verwertung zuzuführen. Zur Verbesserung der Einschätzung, dass man oberhalb der kritischen Tiefe angelt, wäre es sinnvoll, eine dauerhafte und wasserfeste Markierung der Schnur bei etwa 7 Metern anzubringen (beim Vertikalangeln vom Boot aus). Das ist sehr leicht machbar und vor allem sicherer für den Fisch. Damit der kapitale Traumzander nicht wegen eines C&R-Fotos zugrunde gehen muss.

Illustration von Anzeichen für Barotraume

Abb. 1: Beidseitige Glotzaugen und eine aus dem Fischmaul ragende Schwimmblase sind klar Anzeichen für ein Barotrauma. Illustration: B. Gierth